Der gläserne Franzose - dank sports_analytics
Herr Rosenkranz, zunächst einmal die Frage: Wer oder was ist sports_analytics?
sports_anaytics ist ein 1998 gegründetes Unternehmen, das sich zu seiner Geburtsstunde ausschließlich mit klassischer Videoanalysearbeit in der Fußball-Bundesliga beschäftigt hat und mittlerweile zu einem der führenden Anbieter im Bereich der Computer unterstützten Spielanalyse avanciert ist. Angefangen hat das Ganze mit der Zusammenarbeit mit Borussia Dortmund, für die wir Spielanalysen der Gegner und der eigenen Mannschaft angefertigt haben. Mit der Zeit kamen immer weitere Vereine hinzu. Damals haben wir noch nach Vorgaben der Trainer die entscheidenden Spielszenen hintereinander geschnitten und als Videotape bereitgestellt. Heute arbeiten wir mit modernsten Technologien, die in unserem eigenen Softwarehaus designed und gefertigt werden. Mittels dieser Softwarekomponenten haben unsere Kunden die Möglichkeit, auf Knopfdruck Video- und Datenmaterial zu im Vorfeld definierten Kriterien wie z.B. Offensiverhalten oder Ecken anzuschauen, Listen zu erstellen und in Sitzungen zu präsentieren. Neben der skizzierten Arbeitsweise liefern wir, so z.B. für Felix Magath, seit etwa zwei Jahren erste Datensätze und Videosequenzen schon zur Halbzeitpause in die Mannschaftskabine. Nach elf Jahren Marktpräsenz sind wir allerdings längst nicht mehr nur im Fußball tätig, sondern konnten unsere Erfahrungen und unser Know How in anderen Sportarten wie Eishockey, Handball und nun auch im Tennis erfolgreich einbringen.
Anlässlich der Davis Cup Erstrundenpartie 2008 gegen die Republik Korea haben Sie zum ersten Mal mit Patrik Kühnen und dem deutschen Davis Cup Team zusammengearbeitet. Wie ist der Kontakt damals zustande gekommen?
Patrik Kühnen und ich haben uns vor vielen Jahren kennengelernt, als ich parallel zu meinem Studium für den Fernsehsender Premiere, heute sky, gearbeitet habe. Das war zu einer Zeit, als Premiere noch die Masters Series übertrug und bei den Turnieren jeweils mit einem großen Redaktionsteam vor Ort war. Patrik Kühnen fungierte als Experte vor der Kamera und ich als Redakteur, mitverantwortlich für die Bebilderung und Erstellung der Analysen im Studio. Drei Jahre lang haben wir eigentlich in ähnlicher Art und Weise zusammengearbeitet, wie wir es später in Braunschweig oder jetzt im Vorfeld der Begegnung in Toulon getan haben. Der Kontakt ist nie abgebrochen und vor der Partie gegen die Republik Korea sind wir dann wieder intensiver ins Gespräch gekommen.
Wie sah Ihre Kooperation bei der Partie gegen die Republik Korea aus?
Die Zusammenarbeit damals hatte für beide Seiten den Charakter eines Testlaufs. Dabei galt es für uns zunächst einmal, unter realen Bedingungen den Beweis anzutreten, dass unser Analyseinstrument auch für die Sportart Tennis von Nutzen ist und auch bei langer Spieldauer entsprechende Analysen zeitnah fertiggestellt werden können. Die Reaktionen seitens des Teamchefs, aber auch der Spieler waren durchweg positiv und wir haben die Fülle an wertvollen Informationen und Anregungen - von Trainer- oder Spielerseite - in die Weiterentwicklung des Systems einfließen lassen.
Was haben Sie genau in Braunschweig gemacht?
Im Vorfeld der Begegnung habe ich mich mit Patrik Kühnen zusammengesetzt und ein Analyseraster ausgearbeitet - deutlich kleiner und weit weniger umfangreich als heute. Nach den beiden Einzeln am Freitag Abend wurden die Fernsehbilder entsprechend analysiert, bevor ich mich am Samstag nach dem Doppel mit Patrik Kühnen getroffen habe, um Playlisten für die spätere Teamsitzung mit den entscheidenden Sequenzen zusammenzustellen. Auf Knopfdruck konnte sich Patrik Kühnen zunächst ganz gezielt visuelle Informationen zum Aufschlag, Return, Passierball oder Netzspiel der Gegner verschaffen. Dabei wurde beispielsweise deutlich, wohin ein Spieler in entscheidenden Momenten aufschlägt, wo mögliche Schwächen beim Return oder Vorlieben beim Passierschlag liegen. Heute ist die Herangehensweise noch effektiver: Der Teamchef bekommt mittels der Software zunächst eine sehr differenzierte Spielstatistik vorgelegt, die er begutachtet. Werden bei der Durchsicht zahlenmäßige Auffälligkeiten registriert, kann er sich dazu Videosequenzen anschauen und die Situationen individuell bewerten.
Bei der Davis Cup Partie in Frankreich wird das deutsche Team zum zweiten Mal Ihre Analysen nutzen. Wie kam es nach den zwei Jahren Pause dazu?
Patrik Kühnen war hinsichtlich der Weiterentwicklung unseres Systems eigentlich immer im Bilde. Zu Beginn des Jahres hat er sich bei mir gemeldet und gefragt, ob wir ihn zur Partie gegen Frankreich erneut unterstützen würden. Daraufhin wurden zunächst die in Frage kommenden französischen Spieler ausgewählt und die entsprechenden Analysekriterien besprochen. Grundlage für die Analysen sind aufgrund der Aktualität und des Belages die Matches der Australien Open. Mitte Februar haben wir Patrik Kühnen mit einem Rechner samt unserer Softwarekomponente "TennisPro" ausgestattet, mit der er in der Vorbereitung auf das Spiel gegen Frankreich sämtliche Analysen stetig abrufen kann - in Zahlen und Bildern.
Ist sports_analytics über die Kooperation mit dem deutschen Davis Cup hinaus im Tennisbereich tätig?
Wir stehen in Kontakt mit verschiedenen nationalen und internationalen Tennisakademien und Stützpunkten. Zudem wird die "TennisPro" bereits am Lehrstuhl für Trainingswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung eingesetzt. Beschlossen ist auch bereits zum jetzigen Zeitpunkt der wiederholte Einsatz unserer Technologie beim größten deutschen Junioren-Turnier, den "airberlin german juniors" vom 4. bis 11. Juli in Berlin
Quelle: Pressemeldung Deutscher Tennis Bund e.V. (DTB)
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