"Man muss Spaß haben"

04.10.2008 | Stuttgart
Am Montag wird Jelena Jankovic an der Spitze der Weltrangliste stehen, aber sie nimmt sich trotzdem nie zu ernst. Obwohl sie sich der Stellung als Nummer 1 bewusst ist, kann die Serbin jederzeit über sich und das Chaos, das sie von Zeit zu Zeit auslöst, lachen.

Jankovic passieren Dinge, die anderen einfach nie passieren. Bei den Australian Open wurde sie beispielsweise zu ihrem Match in den Melbourne Park gefahren - zumindest dachte sie das. Tatsächlich aber brachte sie der Chauffeur zu den Trainingsplätzen, die in der exakt entgegengesetzten Richtung liegen, und sie hätte um ein Haar ihr Match verpasst. Und in Dubai kam sie zu einer Pressekonferenz und begann einfach zehn Minuten lang zu erzählen, wie sie sich in der Stadt verlaufen hatte. Als sie ihren Monolog beendet hatte, applaudierten alle versammelten Medienvertreter. So etwas passiert nur Jelena Jankovic.

Die lustigste Geschichte trug sich vor einem Jahr beim Porsche-Tennis-Grand-Prix zu. "Ich hatte einen langen Tag und kam todmüde zurück ins Hotel", erzählt die 23-Jährige. "auf meinem Stockwerk klopfte ich einfach an die Tür - aber alles sieht hier so gleich aus und ich achtete nicht auf die Nummer. Als die Tür aufging, bin ich einfach hineinspaziert. Ich hab nicht einmal darauf geachtet, wer mir eigentlich aufgemacht hat. Plötzlich habe ich bemerkt, dass Justine (Henin) hinter mir stand. Ich fragte sofort, was machst du in meinem Zimmer. Und sie sagte auch: Was machst du hier in meinem Zimmer? Wir mussten beide lachen. Ich kannte sie davor nur ernst. Das war so lustig. Irgendetwas passiert mir immer. Das ist schön. Ich mag das. Man muss Spaß haben. Wenn man auf der Tour keinen Spaß hat, nicht lacht und die Zeit, die man hier verbringt, nicht genießt, hat man es schwer. Freude am Job zu haben, hilft immer."

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In diesem Jahr schaffte sie es wieder, alle zum Lachen zu bringen. Diesmal trug sich die Geschichte im Hotel-Restaurant zu. "Dort gibt es ein tolles Frühstücks-Buffet", so Jankovic. "Als ich aufwachte, hatte ich Appetit auf Eggs Benedict. Doch das gab es nicht. Also fragte ich danach und ließ mir die Eier machen. Der Kellner brachte mir dann eine Portion - so etwas Riesengroßes habe ich noch nie gesehen. Das reichte für fünf. Ich habe aber alles selbst aufgegessen. Den Abend zuvor war ich auf dem Volksfest und habe zwei Portionen Ente und all das bestellt. Alle fragten mich, was machst du mit all dem Essen? Ich sagte nur, es ist Winter und ich brauche die Energie."

Obwohl Jankovic Blasen an den Füßen hat und einen abgebrochenen Zehennagel - Routine für eine Tennis-Spielerin -, ist sie dieses Jahr viel besser drauf als 2007. Sie hat weniger Turniere gespielt, was sich auszahlt. "Ich fühle mich frisch und bin nicht so müde wie im vergangenen Jahr", sagt sie. "Beim letzten Porsche-Tennis-Grand-Prix war ich ausgelaugt und wenig motiviert. Ich wollte einfach nur die Saison hinter mich bringen und ein wenig Ruhe, weil ich so viele Matches gespielt hatte. In diesem Jahr ist es ganz anders. Ich bin fit und fühle mich sehr gut. Ich will spielen und bin sehr zuversichtlich, das ist das Wichtigste. In jedem Match versuche ich, mich zu verbessern. Wenn ich spiele, habe ich immer einen Plan. Ich bereit mich taktisch und mental auf meine Spiele vor und will meine Schläge umsetzten. Ich merke, dass ich besser darin werde. Aber natürlich kann es immer noch ein wenig besser werden. Daran arbeite ich jeden Tag. Heute fühle ich mich beispielsweise viel besser, als noch bei der Olympiade in Peking, wo ich kurz zuvor eine Knieverletzung hatte. Ich war dort nicht in Form. Nun merke ich, wie ich mich jeden Tag stärker und stärker fühle."

"Diese Erkenntnis", sagt die neue Nummer 1, "ist eine Erleichterung. Ich lache wieder und habe Spaß an meinem Spiel. Das war nicht einfach. Seit Anfang des Jahres hatte ich immer wieder Probleme und kleinere Infekte, die mich zurückwarfen. Ich habe ständig über meinen Gesundheitszustand nachgedacht. Da fällt es schwer, sich auf Tennis zu konzentrieren. Man kann auch nicht so trainieren, wie man das gerne tun würde, und muss Pausen einlegen. Außer Form kommt man so schnell. Die alte Stärke wieder zu finden, dauert hingegen sehr lange. Optimistisch zu bleiben, ist in derartigen Phasen alles entscheidend. Momentan bin ich einfach nur froh, dass ich gesund bin. Hoffentlich bleibt das auch so."

Quelle: Pressemeldung Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

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